Gedanken zum Thema Freiheit des Menschen vs. Eingrenzung (Beschreibung) seines "Wesens" durch Astrologen:
Wie wäre es, wenn das Horoskop gar nicht das "Wesen" des Menschen beschreibt? Es kann auch so verstanden werden, dass es kein Bild für dieses ist - sondern für dessen Zugang zur Welt! Was da im ersten Moment eher banal erscheint - denn mein "Zugang zur Welt" hat natürlich Auswirkung auf mein "Wesen" - verlagert aber die Beschreibung: weg vom Individuum und dessen "Erfassung". Hieß es vorher "Das bist Du", so heißt es nun "Das ist Deine Welt". Ich erlebe sie so (mit *dieser* Struktur), weil ich Teil von ihr bin - mit einem ganz bestimmten "Blickwinkel" auf sie. Dabei steht es mir prinzipiell frei, wie ich "meiner Welt" begegne, welche Möglichkeiten ich aus ihr schöpfe. Je mehr es mir möglich ist, diesen besonderen Blickwinkel wirklich einzunehmen, um so mehr "sehe" bzw. erlebe ich die Welt in originärer Weise. Meine Freiheit wächst in dem Maße, in dem ich die Welt wahrnehmen kann. Bedeutet das "Das bist Du" eine Vereinzelung, auch Forderung und wirft zurück auf das Individuum, so ist dagegen "Das ist *Deine* Welt" eher eine Einladung die Verbindung schaffen kann. "Welt" oder "Kosmos" ist an sich - auch mit einer bestimmten Struktur erlebt - wohl nicht eingrenz- und bestimmbar, sondern beinhaltet dagegen Kreativität. "Werde der Du bist" könnte vielleicht auch so verstanden werden: "Sei *ganz*in* der Welt". Die Aufforderung wäre damit nicht, auf eine ganz bestimmte Weise (nur) "gesund", sondern *ganz* da (mit der Welt in Kontakt) zu sein - weil Verzerrung, Unterdrückung oder Verneinung "Krankheit" bedeutet.
Rita, im August 1998
"Alles was mir fehlt bist Du"
ASTROLOGIE - Psychologie:Die Projektion als ein wesentliches Merkmal von Partnerschaft
Projektion (von lat. proicio, "ausstrecken", "hinausstrecken") bedeutet ein psychisches Hinausverlegen eines innerseelischen Vorgangs oder einer Vorstellung in ein "Objekt". Hierzu werden (zum Beispiel) in anderen Menschen Eigenschaften "gefunden", ihnen zugeschrieben, die im Grunde genommen aber uns selbst angehören. Besonders "attraktiv" ist dieser Mechanismus für uns in bezug auf die Eigenschaften und Anteile unseres Wesens, die wir - aus welchen Gründen auch immer (Erziehung, sozio-kultureller Rahmen, Geschlechter-"Rolle"...) - nicht selbst ausleben können oder dürfen. Wir erleben so auf dem "Umweg" über andere Menschen und unsere Auseinandersetzung mit ihnen, all die Themen, die für uns von Bedeutung sind. Viele der Eigenschaften, die wir an anderen sehr bewundern, oder die uns z.B. uns verlieben lassen, sind ungelebte oder unerkannte Züge und Fähigkeiten in uns selbst. Ebenso verhält es sich mit dem, was wir heftig (affektiv) ablehnen und verurteilen: Es ist in uns selbst vorhanden (z.B. als ein durch Erziehung unterdrücktes, d.h. auf konstruktive Weise nicht zu leben gelerntes, Bedürfnis) - sonst würde es uns weniger (oder zumindest in anderer Weise) berühren.Die Astrologie zeigt Ganzheit
Der Aufbau des Horoskops
Zeit und Raum - Die astrologischen "Häuser"
Neben dem Zeitpunkt benötigt eine Horoskopdeutung den Ort der Geburt. Der Raum ist die zweite entscheidende “Koordinate“ für die astrologische Berechnung. Die kosmischen Verhältnisse unseres Sonnensystems (oder auch des weiteren Sternenraums) werden zu einem bestimmten Punkt der Erde in Beziehung gesetzt. Nur von diesem aus ergibt sich das jeweilige Geburtsbild. Menschen, die zur gleichen Zeit an weit voneinander entfernten Orten auf der Welt geboren sind, haben sehr unterschiedliche Horoskope: So könnte an einem Ort Mittag sein, die Sonne stünde hoch (im 10.Haus) am Himmel – weit entfernt wäre vielleicht gerade Sonnenaufgang, die Sonne stünde in diesem Fall am Aszendenten, im Osten.
Im Unterschied zu unserer gewohnten Auffassung von „Uhrzeit“, hat jeder (Geburts-)Ort „seine“ Tageszeit, die sogenante Ortszeit. Nur andere Orte auf dem gleichen Längengrad (Meridian) der Erde haben gleichzeitig Mittag, d.h. überall auf dieser Linie steht die Sonne zur gleichen Zeit an ihrem höchsten Punkt. Die Zeitzonen (z.B. MEZ) sind nützliche Vereinbarungen, die seit der schnelleren Mobilität der Menschen (seit dem Aufkommen der Eisenbahn im 19. Jahrhundert) getroffen wurde.
Von dem Breitengrad der Geburt abhängig ist der Zeitraum, in dem sich die Sonne oder ein Planet über dem Horizont befindet. Wir kennen dies von den Jahreszeiten: Im Sommer bleibt es viel länger hell als im Winter, die Sonne steht länger sichtbar über dem Horizont. Ebenso steigt die Höhe des Sonnenstandes mit zunehmender Nähe des Ortes zum Äquator an. Jeder Ort hat „seinen“ Horizont.
Der Ort der Geburt bestimmt so die beiden „Raum-Achsen“ des Horoskops: den Horizont (Aszendent im Osten und Deszendent im Westen) und den Meridian (Himmelsmitte „Medium Coeli“ oben, Himmelstiefe „Imum Coeli“ unten). Diese grundlegende und wichtigste Teilung des Horoskops, ein Kreuz im Kreis des Horoskops, legt erste bedeutsame Erfahrungsräume fest.
Eine Urerfahrung des Menschen ist die Betrachtung des Horizontes als der Linie, die Oben und Unten, Sichtbares und Unsichtbares voneinander trennt. An dieser Teilungslinie erlebt er Sonnenauf- und -untergang, in vielen Kulten ein Symbol der Wiedergeburt. Am Horizont begegnen sich so zwei Reiche, obere und untere Welt, Tag und Nacht. Im Horoskop trennen sich hier innerseelische Motivationen von „außen“ vorgefundenen Tatsachen, private von gesellschaftlichen Bereichen.
Als aufgerichtetes Wesen hat der Mensch auch ein besonderes Verhältnis zur Vertikalen. Sein Blick in die Höhe und sein Ahnen der Tiefe geben ihm zur „horizontalen“, linearen Abfolge von Vorgängen, einen Schnittpunkt im Hier und Jetzt. Im Horoskop steht die Achse von Himmelstiefe zur Himmelsmitte für das Aufsteigen aus dem privaten, heimischen Raum (der „Nacht“), zur Erfüllung einer weithin sichtbaren Berufung: Beim Kind ist dies meist noch die Erziehung, beim erwachsenen Menschen die Rolle und Repräsentation in Beruf und Gesellschaft, oder auch die Annahme von „höherem“ Schicksal...
Das Rund des Geburtsbildes wird durch diese Vertikale in eine rechte, westliche und eine linke, östliche Hälfte geteilt, die auch als unterschiedliche Ebenen der Erfahrung betrachtet werden. Es sind „Ich“ im Osten und „Du“ im Westen, die im Inneren und äußeren Erleben, über und unter dem Horizont, symbolisiert im Horoskop auftreten.
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Auf diese Weise entstehen vier Hauptbereiche, „Quadranten“ genannt. Jeder Quadrant steht für eine grundlegende Verwirklichungsebene. Der erste (östliche) für den Körper, der zweite (westliche) für die Seele, der dritte (westliche) für den Geist und der vierte (wieder östliche) für das Schicksal. Diese werden (unter Astrologen nicht einheitlich... s.u.) in jeweils drei „Häuser“ weiter differenziert. Das jeweils erste Haus eines Quadranten, direkt an den Achsen (Haus 1, 4, 7, 10) symbolisiert immer das übergeordnete Thema des jeweiligen Quadranten mit dem innewohnenden Potential. Diese Häuser heißen „kardinale“ Häuser und in ihnen stehende Planeten kommen – vor allem direkt an diesen Achsen – besonders stark im Leben zum Ausdruck.
Die darauf jeweils nachfolgenden Häuser (2, 5, 8, 11) werden „fixe“ Häuser genannt. Sie stellen eine stoffliche Verdichtung und Konkretisierung des jeweiligen Themas eines Quadranten dar.
Die darauf folgenden Häuser (3, 6, 9, 12) heißen „bewegliche“ oder auch „fallende“ Häuser. Sie beschließen iden Quadranten und haben einen veränderlichen und regulierenden Charakter, der schon Bezug auf das Thema des nachfolgenden Quadranten nimmt.
So entstehen in vier Quadranten zwölf Häuser, die auch bei den beinhalteten Themen mit den zwölf Tierkreiszeichen korrelieren.
Die Ansichten über die korrekte mathematische Unterteilung der vier Quadranten gehen unter Astrologen auseinander. Die verwendeten unterschiedlichen Häusersysteme beruhen auf unterschiedlichen Auffassungen über die maßgeblichen Bezugspunkte für die Einteilung. So berechnen sich die Häusersysteme von Regiomontanus, Campanus, Placidus oder die zeitgenössischen GOH- (sogenante „Koch“-) Häuser – um einige bekannte zu nennen – unterschiedlich. Sehr verbreitet unter modernen, westlichen Astrologen ist das Häusersystem des Placidus. Dieses Häusersystem arbeitet bezogen auf die Zeit, die die Sonne für „ihren Weg über den Himmel“ an einem bestimmten Tag und Ort braucht. Diese Zeit wird Tagbogen genannt. Die Ekliptik ist der ganze 360°-Kreis der scheinbaren Sonnenbahn, also der Weg der Sonne durch alle Tierkreiszeichen, durch ein ganzes Jahr. Jede Ekliptikstelle innerhalb dieses Kreises hat ihren eigenen Tagbogen an einem bestimmten Ort: Stünde die Sonne dort, so hätte der Tag von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang eine genau bestimmbare Länge.Die Häuserspitzen nach Placidus errechnen sich aus den Tagbögen der einzelnen Ekliptikgrade. Die Einteilungen des Himmels über dem Horizont entspricht dabei den sechs Positionen auf der Ekliptik, die zum Berechnungszeitpunkt jeweils 1/6, 2/6, 3/6 usw. ihres Weges, an diesem Tag und Ort zurückgelegt haben.
Gezählt werden die Häuserbereiche (und damit auch die vier Quadranten) von Haus 1, am Aszendenten beginnend bis zu Haus 6, unter dem Horizont herum, um dann vom Deszendenten, mit Haus 7 im Westen bis zu Haus 12, wieder zurück im Osten, den Kreis zu beschließen. Diese Zählrichtung macht Sinn, denn es ist die Richtung des weiteren Aufstiegs am Horizont.
Das 1. Haus:
Zu Beginn,am Aszendenten und im 1.Haus, tritt etwas, als Einzelnes (ein Mensch, aber z.B. auch ein Ereignis) bestimmbar in Erscheinung. Hier geht es um die Art und Weise, wie er/sie/es in die Welt tritt. Als kardinales Haus des ersten Quadranten repräsentiert das 1.Haus die direkte körperliche und habituelle Erscheinung: Wie ist das Aussehen? Wie der Ablauf, die Dynamik, die grundlegende Bewegung? Die Eigenarten und das Potential des Körperlichen eines Menschen, seines grundlegenden Auftretens (oder des Ablaufs eines Ereignisses), werden im ersten Haus symbolisiert. So zeigt dieses Haus vor allem den „Anstoß“ und die Grundausrichtung eines Lebens. Planeten im 1.Haus bedeuten Anlagen und Merkmale, die sich mit dem Erscheinen und Handeln des/der Geborenen selbst zum Ausdruck bringen werden. Sie beziehen sich sehr oft auf die äußere Erscheinung, können daneben jedoch auch typische Handlungsweisen anzeigen.
Das 2.Haus:
Im 2.Haus finden wir das, was wir (für unseren Körper -> erster Quadrant) haben. Ganz konkrete Dinge werden hier symbolisiert: Besitz, Geld und Werte, unsere Ressourcen, unser Körper als stoffliche Grundlage des Lebens. Planeten im 2.Haus zeigen uns an, mit welchen Energien und Wesensanteilen wir dabei besonders zu tun haben werden – in fördernder oder aber auch in hemmender Art und Weise. In jedem Fall gehören diese Energien zu unserem „Einsatz“ und können zur Grundlage unserer materiellen Absicherung werden. Das 2.Haus zeigt also auch, wie wir unser Geld verdienen und damit einen (von weiteren, siehe weiter unten) Aspekt unserer Arbeit.
Das 3.Haus:
Nun, im „fallenden“ 3.Haus, geht es um (körperliche -> erster Quadrant) Interaktionen mit unserer Umwelt. Es geht um die Fähigkeiten unserer Sinne, Lernen, sich Auseinandersetzen und Orientieren. Die Art und Weise, wie all diese Fähigkeiten angelegt sind, finden wir im 3.Haus symbolisiert. Schule, Mitschüler, aber auch Geschwister (als eine erste Auseinandersetzung), die nahe Umgebung und Nachbarn gehören hierher. Planeten im 3.Haus beziehen sich also,neben den zuvor genannten Entsprechungen als Personen, auf unsere Begabungen – oder Einschränkungen – beim Kommunizieren, Lernen, im geschriebenen Wort, beim Hören, Sehen, Sprechen und allgemein in der Bewegung.
Das 4.Haus:
Mit dem 4.Haus betreten wir das erste, kardinale des zweiten, „seelischen“ Quadranten. Unser seelisches Potential, die private, familiäre Situation und unsere seelisch-emotionalen Prägungen durch diese, sowie die Verbindung zu unseren „Wurzeln“, der Herkunftsfamilie, Ahnen und Heimat, gehören dazu. Planeten in diesem Bereich des Geburtsbildes weisen auf starke seelische Prägungen, die zum großen Teil aus dem Erleben der frühen Kindheit und der damaligen Familiensituation stammen. Dies ist zunächst ein überwiegend unbewusster Bereich. Bemühungen einen bewussten Zugang zu diesem und evtl. damit verbundenen Planetenenergien zu finden, lohnen sich sehr: Wir stärken und stabilisieren damit unsere „Basis“ und finden so einen bewussten „Anker“ der Ruhe und der Regeneration. Unser tiefstes Innenleben ist im 4.Haus angesprochen, repräsentiert auch durch unser konkretes Zuhause, unsere „vier Wände“.
Das 5.Haus:
Im zweiten Haus des zweiten „seelischen“ Quadranten, im „fixen“, 5.Haus verdichten sich unsere Kreativität und Zeugungskraft zu unseren „Werken“ und, auf einer anderen Ebene, auch als unsere Kinder. Ganz aus uns selbst heraus leben wir in Spiel und Spaß, Flirt und romantischen Beziehungen – und werden darin wieder wie die Kinder. Planeten im 5.Haus symbolisieren die Wesenskräfte, die durch uns ihren kreativen Ausdruck suchen und aus seelischer Bewegung heraus sichtbar werden wollen. Bei „schwierigen“ oder hemmenden Planeten im 5.Haus können damit auch Störungen in unserem Zugang zu unseren kreativen Quellen, Probleme mit (oder dem Zeugen von) Kindern, ein angespanntes Verhältnis zu ihnen, oder beim Kind „einfach“ ein eingeschränktes, nicht frei mögliches Spiel symbolisieren.
Das 6.Haus:
Das „fallende“ Haus im zweiten, „seelischen“ Quadranten, symbolisiert unsere „innere“ (-> zweiter Quadrant) Anpassung an Erfordernisse und äußere Gegebenheiten. Unsere Gesundheit gehört hier hinein, unsere „Nützlichkeit“ bei Arbeitsprozessen und innerhalb eines Verbundes mit Anderen. Wir erfahren uns als in größere Prozesse, mit vielen einzelnen „Rädchen“, eingebundene Wesen. Neben Gesundheit und Krankheit finden wir hier außerdem unsere alltäglichen Erfordernisse und Arbeitssituationen. So ist das 6.Haus, neben dem 10.Haus (siehe dort), ein wichtiges Symbol für Arbeit und Beruf, jedoch in dem Sinne „Wie verrichte ich meine Arbeit?“ und symbolisiert mit Planeten in diesem Haus auch, welche Prozesse und Situationen sich in meinem Arbeitsalltag besonders zeigen.
Das 7.Haus:
Mit dem 7.Haus kommen wir, am Deszendent, zum ersten Haus über dem Horizont. Hier, gegenüber dem Aszendenten,ist alles symbolisiert und kommt uns entgegen, was uns in unserem Bewusstsein zur „Ganzheit“ fehlt. Das sind z.B. Menschen, durch die wir uns ergänzt fühlen, weil sie Eigenschaften haben, die uns fremd sind, die wir lieben – oder auch sehr ablehnen. Ganz besonderes mit Planetenstellungen im 7.Haus (stärker natürlich noch einmal, bei direktem Stand an der Horizont-Achse) sehen wir diese damit verbundenen Eigenschaften bei den Anderen. Auch psychologisch gesehen gehören aber genau diese Eigenschaften zu unserem Wesen, sind jedoch häufig verschüttet oder verdrängt. So deutet das 7.Haus auf jede enge Verbindung, besonders auf die Lebensgemeinschaft und Partnerschaft hin, weiter auch auf enge berufliche Partnerschaften und auf Verträge. Als „kardinales“ Haus im dritten „geistigen“ Quadranten findet sich in diesem Haus in übergeordneter, unspezifischer Form symbolisiert, was uns vermeintlich von Außen im Leben entgegentritt. Letztlich hat das 7.Haus jedoch eine Spiegelfunktion: Es bringt unsere „andere (unbewusste) Hälfte“ in unser Leben.
Das 8.Haus:
Das 8.Haus steht dem 2., dem „Materiellen“ gegenüber und bedeutet, als „fixes“, mittleres Haus im dritten Quadranten, eine „Verdichtung im Geistigen“. Das ist die Energie „hinter“ den Dingen, z.B. die „Macht des Geldes“. Weiter sind es auch Geschehnisse, die wir fürchten weil sie sich unserem Begreifen entziehen, wie z.B. der Tot. Es ist der Bereich des Loslassens und der (krisenhaften) Verwandlung. Neuer Humus bildet sich durch das Absterben von Verbrauchtem, als nötige Vorraussetzung für neues fruchtbares Leben. So ist das 9.Haus auch das Haus des Erbes, denn dies ist sowohl „Vermögen des Anderen“ (gegenüber dem 2.Haus, nun im dritten, „geistigen“ Quadranten), als auch (zunächst noch) deren Energie die durch „Loslassen“ (des Lebens) frei und verfügbar wird. Planeten im 8.Haus sind verbunden mit „abgründigen“, oft tabuisierten Erfahrungen oder auch mit solchen, bei denen wir los- und uns selbst fallen lassen können. Das 8.Haus führt uns, „quer durch die schaurige Unterwelt“, zum Erkennen des hinter allem Materiellen verborgenen unsterblichen Plans.
Das 9.Haus:
Im 9.Haus finden wir unseren Glauben und unsere Religiosität, unsere Weltanschauung und Philosophie. Es ist das Haus der Sinnfindung und eines größeren Überblicks. Hier geht es nicht mehr – wie im gegenüberliegenden 3.Haus – um die konkreten eigenen Möglichkeiten des Lernens und Komunizierens, sondern um weiter reichende Überzeugungen und Glaubensfragen. Das ferne Ausland bzw. weite Reisen, mit ihren Möglichkeiten zur „Horizonterweiterung“, gehören hierher. Die höhere Bildung und die Rechtsprechung gehört ebenso ins 9.Haus. Planeten im 9.Haus „wollen hoch hinaus“. Wir finden in diesen Wesensanteilen Kräfte, die sich über das „gewöhnliche“ Maß hinaus entwickeln – oder aber auch „in der Ferne“, im Ausland zeigen werden. Mit diesen Energien suchen und finden wir „Sinn“ und Glauben in unserem Leben.
Das 10.Haus:
Das 10.Haus ist das erste, kardinale Haus des vierten, „gesellschaftlichen“ Quadranten. Planeten in diesem Bereich kommen als jeweilige Energien (besonders deutlich, wenn sie hoch, an der Achse stehen) in der Öffentlichkeit zum Ausdruck. Das 10.Haus bezieht sich auch auf den Beruf, aber in dem Sinne einer „Rolle“, eines Status`, einer Repräsentation, oder aber der Berufung. Es ist – als Gegenpol zum 4., ganz „inneren“ Haus – mein Ansehen und Wirken, weithin sichtbar in der Öffentlichkeit. Das 10.Haus lässt sich auch in Verbindung sehen mit dem psychologischen „Über-Ich“, denn im 10.Haus geht es oft darum, wie „man“ sein sollte... Hier erkennen wir unsere erlernten Normen, die unseren Lebensweg und unser Schicksal prägen. Beim Kind finden wir so im 10.Haus noch besonders dessen Erziehung. Damit erklärt sich, warum viele moderne, psychologische Astrologen in diesem Haus Merkmale des Erlebens der Eltern oder auch besonders der Mutter sehen. Es ist eben die gesamte Achse 4./10.Haus, die auch die verschiedenen Aspekte im Zusammenhang mit den „Eltern“ symbolisiert.
Das 11.Haus:
Wo Menschen sich auf einer gesellschaftlichen Ebene zusammenfinden („Verdichtung“ -> „fixes“ Haus) entstehen Gruppen, Vereine, Organisationen, Gleichgesinnte... Das 11.Haus nennt sich auch „Haus der Freunde“, dies ist jedoch auf der gesellschaftlichen Ebene gemeint und nicht so sehr auf der privaten Ebene einer engen, vertrauten Freundschaft (->7.Haus). Pläne für die Zukunft gehören hierher, Humanitäre Reformen, Politik, „Zeitgeist“ - aber auch der Stammtisch oder der Taubenzüchter-Verband... Wo wir im 5.Haus, bei Spiel und Kreativität, noch ganz in uns selbst versunken Seelisches ausleben, „vernetzen“ wir dagegen hier, im gegenüberliegenden 11.Haus unsere Visionen mit denen Anderer, um Gemeinsames und Zukünftiges zu erschaffen. Planeten im 11.Haus deuten so besonders auf neue Möglichkeiten, Hoffnungen und Pläne im Zusammenhang mit dem entsprechenden Wesensanteil. Oft kommen diese auf reformerische oder ungewöhnliche Weise zum Ausdruck.
Das 12.Haus:
Im 12.Haus tauchen wir ein in das „bewegliche“ Haus des „gesellschaftlichen“ Quadranten: In diesem Bereich lösen sich die Strukturen des Egos auf. Der Einzelne wird zum Tropfen im Ozean des Kollektivs. Planeten in diesem letzten Haus, oberhalb des Horizonts über dem Aszendenten, entziehen sich im Erleben des unter ihnen Geborenen seinem persönlichen Nutzen, seinem „Ego“. Der „Nutzen“ dieser planetaren Wesenskräfte liegt in einer Verwendung für das Kollektiv. Sie stellen sich in den Dienst von Aufgaben, die (entgegengesetzt zum 6.Haus) die eigenen Erfordernisse und Bedürfnisse überschreiten. Meditative Abgeschiedenheit, transzendente Erfahrungen, das Gefühl des All-Ein-Seins, Mitgefühl und engagierte Arbeit für „Größeres“, für die Schöpfung, oder auch Mitgefühl und Hilfe für Kranke und Mittellose sind positive Ausdruckformen des 12.Hauses. Im negativen Erleben, wenn die persönlichen Interessen nicht, einem Größeren zuliebe, beiseite treten wollen, sind es oft Erfahrungen von Verlust, die mit Planetenstellungen in diesem Bereich einher gehen. Traditionelle Entsprechungen des 12.Hauses sind so auch Gefängnis und Psychiatrie, denn diese stellen den Verlust der eigenen Handlungsfähigkeit und Kontrolle dar und sind regulative Funktionen der Gesellschaft.
So schließt sich hier der Häuserkreis mit der symbolischen Auflösung des Individuums – um als solches am Aszendent und im 1.Haus wieder neu in die Welt treten zu können. Das „Vorgeburtliche“, die Schwangerschaft, gehört so (dies ist auch meine Erfahrung) zu den Entsprechungen des 12.Hauses.
Rita Gil Brand
Rita Gil Brand














